Industriewelt Aargau



Das Vorhaben in Kürze

 

Die Sonderausstellung UNTER STROM macht im Rahmen des Aargauer Themenjahrs #ZeitsprungIndustrie die spannende Geschichte der Badener Elektro-Industrie für ein breites Publikum erlebbar. Innovationen, Internationalität und soziale Entwicklungen interessieren dabei gleichermassen. Veranstaltet vom Verein IndustrieWelt Baden und in engem Austausch mit dem Historischen Museum Baden gehört die im Herbst 2020 präsentierte Ausstellung zu den abschliessenden Höhepunkten des Themenjahrs.

 

Die Botschaft

In der denkmalgeschützten Alten Schmiede, lädt UNTER STROM mit Historischen Raumrekonstruktionen sowie zahlreichen Objekten, Fotografien, Filmen und Texten ein zu einer erlebnisreichen Reise durch 130 Jahre Industriegeschichte. In einer Zusammenführung von globalen Entwicklungen und lokalen Ereignissen führt die Ausstellung vor Augen, wie die Stadt Baden dank findigen Ingenieuren, der Zielstrebigkeit mutiger Stadtbehörden und nicht zuletzt einem guten Timing zu einem der wichtigsten Industriestandorte der Schweiz wurde. Wie die gesamte Industrie zuerst von der Elektrifizierung der Schweiz profitierte und später aufgrund wachsender globaler Verflechtungen wiederholt grosse Krisen zu überstehen hatte. Und wie sie sich heute in der Region den Herausforderungen der Gegenwart stellt und nach Lösungen für eine nachhaltige Energiezukunft sucht.

 

Zeitzeugen als Gastgeberinnen und Gastgeber

Für das Ausstellungserlebnis wesentlich ist die Anwesenheit von Gastgeberinnen und Gastgebern in der gesamten Ausstellung. So sind während der ganzen Laufzeit von UNTER STROM ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Badener Elektro-Industrie ehrenamtlich im Einsatz. Sie zeichnen an bestimmten Stellen innerhalb der Ausstellung im direkten Gespräch ein ganz persönliches Bild der Entwicklung der Badener Industrie in den letzten Jahrzehnten und erweitern die Ausstellungserzählung um eine persönliche Perspektive.

 

 

Vielfältiges Rahmenprogramm

Die Ausstellung endet auf dem «Marktplatz der Zukunft». Hier findet ein abwechslungsreiches Begleitprogramm statt. Firmen aus der Region präsentieren ihre neuesten Produkte für eine nachhaltige Energienutzung. Die Besucherinnen und Besucher können hier ihre Ideen für die Zukunft deponieren. Ebenfalls auf dem Marktplatz werden die Ergebnisse eines Wettbewerbs gezeigt, der unter Schülerinnen und Schülern aller Stufen der Region durchgeführt wurde. Es finden Podiumsgespräche statt und jedes Wochenende zeichnet ein anderer Ausländerverein für das kulinarische Angebot verantwortlich.

 

Starke Trägerschaft

Der Verein IndustrieWelt Baden wurde 2018 zwecks Vermittlung der Industriekultur für ein breites Publikum ins Leben gerufen. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Badener Elektro-Industrie machen im Rahmen eines Freiwilligenprogramms den personalintensiven Betrieb der erlebnisorientierten Ausstellung möglich. Das Historische Museum Baden hat das Projekt in sein Jahresprogramm 2020 aufgenommen. Die Historiker und Ausstellungsmacher des Badener Büros imRaum Furter Handschin Rorato sind für die Konzeption und Umsetzung der Ausstellung besorgt. Finanziert wird das Vorhaben durch einen massgeblichen Sockelbeitrag aus dem Aargauer Lotteriefonds für das Themenjahr #ZeitsprungIndustrie, das 2019 / 2020 stattfindet. Hinzu kommen noch zu findende Projektbeiträge von Firmen, Stiftungen und Privaten. Das von zahlreichen Aargauer Museen initiierte und mit über 40 Partnern realisierte Themenjahr macht den ganzen Aargau zum Schauplatz einer Auseinandersetzung mit der reichen Industriegeschichte des Kantons.

  


Hintergrund

 

Die Industrie ist ein bisher nur wenig beleuchtetes Kapitel der Aargauer Geschichte. Dabei ist der Aargau seit bald 300 Jahren einer der wichtigsten Industriestandorte der Schweiz. Aus diesem Grund werden über 40 Partner aus Bildung, Industrie und Kultur in den Jahren 2019 / 2020 Projekte präsentieren, welche unter dem Motto #ZeitsprungIndustrie Schlaglichter auf unterschiedliche Epochen und Schauplätze der Industrie werfen. Mit einem vielseitigen Angebot von Ausstellungen über Betriebsführungen bis zu Theater- und Tanz Inszenierungen erzählen sie einem breiten Publikum die Geschichte(n), kulturellen Auswirkungen und Zukunftspotenziale der industriellen Entwicklung. Eine besondere Rolle in der Geschichte der Aargauer Industrie nehmen die Stadt und die Region Baden ein. Sie verfügen über ein reiches industriekulturelles Erbe. Für den Erhalt dieses Erbes setzt sich der Verein IndustrieWelt Baden ein. Getragen von Privaten, Vertretern aus Industrie und Gewerbe, Bildung und Forschung sowie den Gemeinden Baden, Wettingen und Ennetbaden, will der Verein Industriekultur an authentischen Orten für ein breites Publikum jeder Altersgruppe erlebbar machen. Aus Anlass des Aargauer Themenjahrs #ZeitsprungIndustrie hat der Verein die Ausstellung UNTER STROM initiiert.

 

 

Projektziele

 

UNTER STROM regt an zur Auseinandersetzung mit der vielfältigen und für die Stadt Baden und den gesamten Aargau so wichtigen Geschichte der Elektro-Industrie. Die Ausstellung bringt ein Stück Badener Stadtgeschichte und damit Identität ins Bewusstsein. Zudem setzt das Projekt die aktuellen Debatten rund um die Energiewende in einen historischen Kontext und fragt nach unserem individuellen Umgang mit dem Thema. Weiter bietet die Ausstellung eine Auslegeordnung der Möglichkeiten, mit welchen die Industrie heute und in Zukunft ihren Beitrag an einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen zu leisten vermag.

Es sind somit all diejenigen angesprochen, welche am Abend den Lichtschalter betätigen.

 

 

Inhalt, Erzählung und Form der Ausstellung

 

Als der Badener Hotelier Bruno Saft im April 1891 anderthalb Hektaren Matt- und Ackerland an den Ingenieur Walter Boveri verkauft, beginnt das für Baden prägendste Kapitel der jüngsten Stadtgeschichte: Am 2. Oktober 1891 wird die Brown, Boveri & Cie. ins Handelsregister eingetragen. Aus der Kurstadt wird eine Industriestadt, geprägt von Innovationen und einem internationalen Flair, welches sich auf das soziale und kulturelle Gefüge auswirkte. UNTER STROM zeigt die Geschichte der Badener Elektro-Industrie, eines explosionsartigen Wachstums und grosser Krisen, von lokalen Initiativen und globalen Zusammenhängen, von Ingenieurskunst und Börsengängen, von richtigen und falschen Entscheidungen, aber auch die Geschichte einer Industrie im Spiegel eines Jahrhunderts des bahnbrechenden technologischen Fortschritts und der sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Umwälzungen zugleich. Erlebnisräume und Begegnungen mit Zeitzeugen Schauplatz der Ausstellung ist die Alte Schmiede. Auf rund 600m2 Ausstellungsfläche werden die Besuchenden auf eine Reise durch die Zeit geschickt. Für das Ausstellungserlebnis zentral ist ausserdem die Anwesenheit von Gastgeberinnen und Gastgebern, sogenannten Hosts. Es handelt sich dabei um aktuelle und ehemalige Mitarbeitende der Badener Unternehmen. UNTER STROM erzählt damit nicht nur die Geschichte einer Industrie im Wandel – im Zentrum der Ausstellung stehen nicht zuletzt die Geschichten von Menschen, die in dieser Industrie Zwei zentrale Ausstellungselemente Ein erstes Ausstellungselement, ist der allgemeinen Geschichte der Elektrizität gewidmet. Sie bildet den Hintergrund für das zweite zentrale Element der Ausstellung. Dieses wird in fünf Vertiefungsräumen – sogenannte Zeitinseln – im Sinne einer Bedeutungschronologie dargestellt. So werden entscheidende Ereignisse, Erfindungen oder Entwicklungen genauer beleuchtet, um die herum sich verschiedene weitergehende Aspekte der jeweiligen Zeitspanne gliedern.

Der Ausstellungsrundgang

 

Die Besuchenden werden an einem Empfangstresen begrüsst. Der Einlass in die Ausstellung erfolgt nach einer Zeitreise in die Vergangenheit alle 15 Minuten.

 

Willkommen zu einer Zeitreise

Im Laufe der 15-minütigen Zeitreise wird das Licht langsam abgedunkelt. In dem Moment, in dem es fast ganz dunkel ist, verstummen die Lautsprecher. Ein Host betritt den Raum, in der Hand eine Petrollampe. Er heisst die Besuchenden im Baden des ausgehenden 19. Jahrhunderts willkommen und bittet sie, ihm zu folgen.

 

Zeitinsel 1: Die Gründerzeit (1890er-Jahre)

Die Besuchenden folgen dem Host in einen zweiten abgedunkelten Raum. Dort stellt dieser die Petrollampe auf einen Tisch und macht sich an einer anderen Leuchte zu schaffen. Der Host erzählt seinen Gästen die Geschichte von der Erfindung der Glühbirne und kommt im Anschluss darauf zu sprechen, wie der Strom und mit ihm die Elektro-Industrie nach Baden kam.

 

Der Zeittunnel

Die Besuchenden betreten nun einen langgezogenen Gang. Sie befinden sich im Zeittunnel, dem Rückgrat der Ausstellung. Hier wird die Entwicklung der Elektrizität seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart erzählt. Von diesem Gang zweigen weitere Räume, sogenannte Zeitinseln ab, welche die nachfolgenden Epochen der Elektro-Industrie Badens zum Thema haben.

 

Zeitinsel 2: Wachstum und sozialer Wandel (1900 –1945)

Sie zeigt die rasche Entwicklung, welche die Firma zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchlebte. In rascher Folge kam es zu Innovationen im Turbinen- und Generatorenbau, in der Elektrifizierung der Eisenbahnen und in vielen anderen Bereichen der Stromübertragung und -anwendung. Die Belegschaft stieg stetig, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war sie auf über 4000 Angestellte angewachsen.

 

Zeitinsel 3: Baden in der Welt, die Welt in Baden (1945 –1975)

Die dritte Zeitinsel ist der Forschung und der zunehmenden Expansion und Globalisierung gewidmet. Zahlreiche ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter fanden vor allem nach 1945 den Weg nach Baden, ihr Anteil an der Belegschaft stieg auf über 40 Prozent. Zugleich reisten viele BBC Monteure rund um die Welt. Zur internationalen Ausrichtung gehörte auch, dass schon früh Tochterfirmen im Ausland entstanden, u.a. in Deutschland, Italien, Frankreich, Norwegen, Österreich, Polen und später auch in Übersee.

 

Zeitinsel 4: Krise, Fusion, Umbau (1975 – Heute)

Die vierte Zeitinsel erzählt von den zahlreichen Versuchen, die Badener Betriebe in Zeiten einer wachsenden globalen Konkurrenz für die Zukunft zu rüsten. Die Schwierigkeiten begannen im Nachgang der Krise in den 1970er-Jahren. 1987 gaben die BBC und die schwedische ASEA unter dem Namen ABB den Zusammenschluss bekannt. Das Kraftwerksgeschäft und die Bahntechnik wurden 1999 veräussert. Nach der Jahrtausendwende konnten sich ABB und ALSTOM – inzwischen teilweise durch die amerikanische General Electric und die italienische Ansaldo übernommen – wieder konsolidieren.

 

Zeitinsel 5: Die Energiezukunft

Am Ende des Zeittunnels erkennen die Besuchenden den letzten Ausstellungsraum. Sie befinden sich jetzt in einem runden, hohen Raum. Ihr Blick geht in Richtung Raumdecke, in Richtung Zukunft.

 

Was würden Charles Brown und Walter Boveri tun, im Baden des 21. Jahrhunderts?

 


Marktplatz der Zukunft

 

Am Ende der Ausstellung erreichen die Besucherinnen und Besucher den Marktplatz der Zukunft. Diese offen gestaltete Zone bietet verschiedene Möglichkeiten, sich in einzelnen Bereichen zu vertiefen. Auf dem Marktplatz präsentieren sich Forschungseinrichtungen und Firmen mit ihren Innovationen und Positionen. Modelle und Versuchsanlagen zeigen die eine, attraktiv gestaltete Animationsfilme und Informationsbroschüren die andere Lösung. Der Marktplatz hat keinen Anspruch auf eine neutrale Position bezüglich der «richtigen» Strategie für die Zukunft. Verfechter von neuen Grosskraftwerken können hier der Solarlobby gegenüberstehen. Wachstumskritiker treten mit Zukunftsoptimisten in einen Dialog.

 

Wettbewerb und Partizipation

Teil des Marktplatzes ist auch eine grosse Pinnwand. Hier werden einerseits die Ergebnisse eines Wettbewerbs präsentiert, der vom Verein IndustrieWelt Baden in Kooperation mit den Schulen der Region durchgeführt wird. Schülerinnen und Schüler aller Stufen erhalten die Möglichkeit, ihre Visionen für die Zukunft zu präsentieren. Die Einladung geht auch an die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung, welche hier spontan eine Idee, eine Skizze, einen Aufruf deponieren können. Papier und Stifte liegen bereit.

 

Rahmenprogramm

Eine Vielzahl von Rahmenveranstaltungen ergänzt die Ausstellung und vertieft deren Erzählung. Das Angebot reicht von technischen und historischen Vorträgen zu politischen Podien zur Zukunft.

 

Ausstellungsbistro

Ein Ausstellungsbistro rundet das Angebot am Ende des Besuchs ab. Jeweils am Wochenende wird das kulinarische Angebot durch einen der zahlreichen Ausländervereine in der Region Baden erweitert.

Bau und Betrieb der Ausstellung

 

Nachhaltigkeit bei Bau und Inhalt

Der veranstaltende Verein IndustrieWelt Baden legt grossen Wert auf Nachhaltigkeit. Alle audiovisuellen Produktionen aus der Ausstellung – der Zukunftsfilm, die Zeitzeugeninterviews, die Zusammenschnitte von Filmquellen etc. – werden nach der Ausstellung im Internet veröffentlicht und als Quellenbestand dem Stadtarchiv im Historischen Museum Baden übergeben.

 

Projektorganisation

Auftraggeber:             Verein IndustrieWelt Baden

                                   Peter Wollschlegel (Präsident) 

                                   Jan-Erik Bertilsson (Projekte)

Ausstellungsplanung: imRaum Furter Handschin Rorato

Bauliche Umsetzung: Ivo Rölli, Leitung und Bautrupp

Board:                        Carol Nater Cartier, Leiterin 

                                   Historisches Museum Baden

                                   und Co-Präsidentin Verein

                                   IndustrieWelt Aargau

 

Dauer und Öffnungszeiten

Die Ausstellung dauert vom 14. August bis am 27. September 2020. Sie ist jeweils von Dienstag bis Sonntag durchgehend geöffnet.

 

Eintrittspreise

Erwachsene: Fr. 10.00

Kinder und Jugendliche: freier Eintritt

Führungen: Fr. 100.00